Ist die JPEG2000-Kompression
für PDF-Druckvorlagen geeignet?

Für die neuen PDFX-ready-Exporteinstellungen V2.5 für PDF/X-4 CMYK+RGB aus Adobe InDesign haben wir in der Technikgruppe von PDFX-ready untersucht, ob eine Umstellung der Kompressionsmethode vom bisherigen JPEG auf das neuere JPEG2000 sinnvoll wäre.

JPEG2000 verwendet eine komplett andere Kompressionstechnik (diskrete Wavelet-Transformation) als das alte JPEG (diskrete Kosinus-Transformation). Die neue Technologie verspricht generell eine bessere Qualität bei kleineren Dateien. Bei JPEG2000 kann man auch Bilder mit mehr als 8bit pro Farbkanal und mit bis zu 256 Farbkanälen verwenden. Das tönt vielversprechend…

Wir wussten von Tests bei der Ghent Workgroup, dass nicht alle PDF-Viewer (v.a. auf mobilen Geräten) PDFs mit JPEG2000 dekomprimieren können. Bei anderen PDF-Viewern (u.a. Acrobat/Reader) erfolgt der Bildaufbau einiges langsamer.

Aber wir wollten wissen, ob wir JPEG2000-Kompression für Druckvorlagen empfehlen können. Deshalb haben wir uns entschlossen, einen Praxistest mit einem Kalender mit hochauflösenden Bildern in verschiedenen Farbräumen (Device-CMYK, ICC-CMYK, ICC-RGB) durchzuführen. Peter Kleinheider hat die Ausgabe-Tests mit zwei verschiedenen RIPs und ich habe die Export-Tests mit Adobe InDesign CC2017 gemacht.

Beim Vergleich der Ergebnisse haben wir einige Überraschungen erlebt!

Fehler bei Adobe InDesign

Ich hatte schon bei InDesign CS 5.5 bemerkt, dass die PDF/X-4-Exporteinstellung für JPEG2000 mit maximaler Qualität fehlerhaft ist. Während bei allen anderen JPEG2000-Kompressionsqualitäten die Dateigrösse wie erwartet etwas kleiner ist als beim alten JPEG, wird beim PDF-Export mit maximaler Qualität das exakt gleiche Ergebnis erzeugt wie bei der verlustfreien Variante:

Diesen Verhalten habe ich (und auch die Ghent Workgroup) im Verlaufe der Jahre schon mehrfach an Adobe gemeldet, aber auch in der neusten Version CC 2017 ist die fehlerhafte Einstellung immer noch vorhanden. Bei JPEG empfiehlt PDFX-ready die maximale Qualität; aber damit werden die InDesign-Anwender bei JPEG2000 nun mit grossen Dateien bestraft.

Der PDF-Export aus Adobe InDesign mit maximaler JPEG2000-Qualität führt zu unnötig grossen Dateien und ist daher nicht zu empfehlen!

Wir haben uns daher entschlossen, bei unserem Vergleichstest für die JPEG2000-Beispiele die hohe Qualität zu verwenden. (Die hohe JPEG2000-Qualität liefert übrigens eine bessere Qualität als die maximale JPEG-Qualität!)

Export-Tests

Es wurden vier verschiedene Varianten (Workflows) getestet:

  1. Device-CMYK-Bilder bereits in PhotoShop konvertiert (early binding)
  2. Device-CMYK-Bilder beim InDesign-Export konvertiert (intermediate binding)
  3. CMYK-Bildern mit eingebetteten ICC-Profilen (Colormanagement-Workflow)
  4. RGB-Bildern mit eingebetteten ICC-Profilen (late binding)

In allen vier Fällen wurde jeweils ein Export mit JPEG mit maximaler Qualität und ein Export mit JPEG2000 mit hoher Qualität erzeugt.

Vergleich der Dateigrössen

Erwartungsgemäss sind die PDF-Dateien, deren Bilder mit JPEG2000 komprimiert wurden, deutlich kleiner; ausser bei CMYK-Bildern mit einem ICC-Profil!

 Vergleich der Export-Zeiten

Der PDF-Export mit JPEG2000 dauert um ein Vielfaches länger als der herkömmliche Export mit JPEG.

Ausgabe-Tests

Die erzeugten Testdateien wurden auf zwei modernen RIPs (gleiche Hardware) mit den Standardeinstellungen verarbeitet:

.

Das Rippen von PDFs mit JPEG2000 komprimierten Bilder dauert massiv länger.

Dies wurde uns auch von Anwendern bestätigt, die beim Rippen von JPEG2000-Dateien Probleme hatten.

Fazit

Die Verwendung von JPEG2000-Kompression für PDF-Druckvorlagen ist bei den heutigen Implementierungen im Prepress-Workflow nachteilig. Man kann zwar die Datenmengen etwas reduzieren, bezahlt dies aber mit massiv längeren Export- und Ausgabe-Zeiten!

Das Ergebnis dieser Versuche hat logischerweise dazu geführt, dass PDFX-ready im Moment auf die Einführung der JPEG2000-Kompression verzichtet.

Bitte teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit JPEG2000 unten in den Kommentaren mit.


9 Gedanken zu “Ist die JPEG2000-Kompression
für PDF-Druckvorlagen geeignet?

  1. Hallo Herr Schären

    Da aus Sicht des Workflows (lange Export- und RIP-Zeiten) der Einsatz von JPEG2000 für uns sowieso keinen Sinn macht, erübrigen sich Drucktests (zumal dies die finanziellen Möglichkeiten von PDFX-ready sprengen würde).

  2. Hallo Herr Jaeggi,

    nachdem JPEG2000 als einen Vorteil gegenüber normalem JPEG auch im Standard verlustlose Kompression unterstützt ist ja die maximale Qualität genau dadurch festgelegt.

    Was macht Indesign also falsch?

    • Hallo Herr Stöger

      Maximale Qualität und verlustlose Kompression sind nicht das Gleiche. (Bei JPEG wurde ZIP als verlustvolle Kompression verwendet). Zwei Einstellungen, die exakt das gleiche Ergebnis liefern machen keinen Sinn. Bei der JPEG2000-Kompression mit maximaler Qualität wird eine kleinere Datei erwartet als bei der JPEG-Kompression mit gleicher Qualität und nicht eine doppelt so grosse Datei (siehe Grafik).

  3. Gibt es auch eine Empfehlung zur verlustfreien Komprimierung? Also sollte dabei auch auf JPEG2000 zugunsten ZIP verzichtet werden?

  4. Die verlustfreie Variante von JPEG2000 erzeugt zwar kleinere Dateien als die herkömmliche ZIP-Kompression (siehe Grafik unter “Fehler bei Adobe InDesign”). Aber die Erzeugung dauert dreimal länger! Die Ausgabe wird auch entsprechend aufwändiger sein.

    Da muss jeder selbst entscheiden, was ihm wichtiger ist: Dateigrösse oder Geschwindigkeit.

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