Ein Quantensprung im Preflight!

In den letzten Versionen der beiden wichtigsten Preflight-Tools (Enfocus PitStop, Callas pdfToolbox) sind neue Technologien eingebaut worden, die es ermöglichen, die Qualität der Preflight-Checks substantiell zu verbessern. Wir haben lange auf solche Funktionen warten müssen!

Bisher haben Preflight-Programme immer nur die Eigenschaften einzelner PDF-Objekte isoliert geprüft. Das klassische Beispiel ist ein schwarzer Text, der nicht als überdruckend definiert ist. Eine entsprechende Prüfung hat auch dann Fehlermeldungen ausgelöst, wenn der schwarze Text nicht auf einem farbigen Hintergrund, sondern dem Papierweiss stand. In diesem Fall spielt es aber keine Rolle, ob der schwarze Text überdruckt oder nicht! Dadurch wurden viele ungerechtfertigte Fehlermeldungen (sogenannte «false positives») generiert, die die Anwender irritiert haben. Oft hat das dazu geführt, dass ernstzunehmende Fehlermeldungen übersehen wurden. Das hat sich u.a. anderem auch bei den Preflight-Profilen der Ghent Workgroup und von PDFX-ready negativ ausgewirkt, da dort viele Überdrucken-Checks durchgeführt werden.

Es wurden bisher auch unsichtbare Objekte geprüft, die durch andere Objekte überlagert wurden oder abmaskiert waren.

Eine Einschränkung der zu prüfenden Objekte war nur mithilfe der Seitengeometrierahmen (z.B. BleedBox, TrimBox) möglich. Eine Einschränkung des Preflights auf eine beliebige Kontur (z.B. Stanzkontur) war nicht möglich.

 

Um diese Einschränkung zu überwinden, sind neue Technologien in den Preflight-Tools notwendig, die es erlauben, die Objektprüfung relativ zu anderen Objekten auf der Seite abhängig zu machen. Auch spielt die Reihenfolge der Überlagerung von mehreren Objekten eine entscheidende Rolle.

Als Erstes hat Enfocus die Geomapper-Technologie in PitStop 2017 eingeführt. Nun hat Callas mit der Sifter-Technologie in pdfToolbox 10 nachgezogen.

Damit lassen sich nun zum ersten Mal u.a. solche Aufgaben lösen:

  • Prüfung von überdruckenden Objekten in Abhängigkeit von darunterliegenden Objekten
  • Prüfung des Kontrasts von übereinanderliegenden Objekten
  • Prüfung des Minimalabstandes von Objekten zueinander (z.B. Objekte zu Stanzkontur, Beschnitt)
  • Prüfung, ob Objekte beschnitten oder (teilweise) von anderen Objekten verdeckt werden
  • Nur Prüfung von sichtbaren Objekten
  • Entfernen von unsichtbaren Objekten
  • Beschränkung der Prüfung auf Objekte innerhalb einer Kontur (z.B. Stanzkontur)

Diese Funktion hätte ich damals bei meinem PDF/X-4-Projekt bei Novartis Pharma gut gebrauchen können, da ich beim Preflight die Zusatzinformationen, die bei Verpackungsvorlagen oft ausserhalb der Stanzkontur hinzugefügt sind, nicht mitprüfen wollte. Wir mussten uns damals behelfen, die Druckvorlagenerzeuger zu bitten, Trim- und BleedBoxen um die Stanzkontur anzulegen, was bei Faltschachteln eigentlich keinen Sinn macht.

Das meist verwendete Preflight-Tool ist Adobe Acrobat Pro. Da Adobe die Preflight-Funktion von Callas bezieht, ist zu hoffen, dass Adobe auch die «Sifter»-Technologie in zukünftige Acrobat-Versionen aufnehmen wird und so (beinahe) alle Anwender die viel besseren Preflight-Möglichkeiten ausnutzen können!


(Visited 472 times)

2 Gedanken zu “Ein Quantensprung im Preflight!

  1. Die “Nicht Überprüfung” von Schwarzüberdrucken auf weissen Elementen bezieht sich aber nicht auf das Enfocus PitStop im Acrobat DC, oder ich verstehe nicht wie. Bei meinem Testfile gibt es immer noch die “falsche Fehlermeldung”…

    Und ein Gruss von Herrn Eberle-Fröhlich soll ich ausrichten.

  2. Das geht nicht automatisch! Man muss eine entsprechende Preflight-Regel definieren. Das geht allerdings z.Z. nur mit Hilfe einer Aktionsliste. Der betreffende Befehl heisst “Überlappende Objekte auswählen”. Die Definition solcher Aktionslisten ist aber nicht trival. Leider fehlt es an entsprechenden Beispielen von Enfocus oder Impressed.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.