Katastrophale PDF/X-4-Kompatibilität
von neuem Affinity Publisher

Kürzlich ist die finale Version 1.7.1 des Affinity Publisher erschienen. In den Medien wurde dieses Programm schon als InDesign-Killer gehandelt. Die Funktionsübersicht ist in der Tat vielversprechend. Bezüglich PDF/X-Unterstützung wird auf der Webseite folgende Behauptung aufgestellt:

«You can also open, edit and output PDF/X files.»

Dies wurde vor zwei Jahren schon beim Vektorgrafikprogramm Affinity Designer 1.4 behauptet.  Ich hatte dieses Programm damals mit der Ghent PDF Output Suite 5.0, dem international anerkannten Standard-Test für PDF/X-Kompatibilität, getestet. Das Resultat mit dem Affinity Designer 1.4 war enttäuschend. Ich war gespannt, ob der neue Affinity Publisher – ein mehrseitiges Layout-Programm, bei dem der sichere PDF-Import und -Export noch wichtiger ist, als bei einem Vektorgrafikprogramm – nun eine bessere Kompatibilität mit PDF/X-4-Dateien aufweist.

 

Ich habe also versucht, die sechs Seiten der Ghent PDF Output Suite 5.0 in einem neuen Affinity Publisher Dokument zu platzieren und als PDF/X-4 (mit der mitgelieferten Standard-Exporteinstellung für PDF/X-4) zu exportieren. Das Platzieren war nicht bei allen Seiten erfolgreich. Beim Import von Seite 4 stürzte das Programm ab. Ich habe dann die auf dieser Seite enthaltenen Testelemente einzeln platziert und herausgefunden, dass der Affinity Designer mit den Elementen GWG 2.0 (Spot to CMYK Overprint) und GWG 12.0 (White Overprint/Knockout) Probleme hat. Daher habe ich diese weggelassen, um ein möglichst vollständigen Resultat zu bekommen.

Auch ohne die zwei Elemente ist das Ergebnis katastrophal:

Ein Kreuz (64), eine Abweichung vom Referenzbild (9), das Fehlen eines Elementes (19) oder eines Häkchens (6) weisen einen Fehler beim Import und/oder Export der PDF/X-4-Datei aus. Insgesamt habe ich 98 Fehler gezählt. In den vierzehn Jahren, seit es die Ghent PDF Output Suite bereits gibt, habe ich ein solch schlechtes Ergebnis noch nie gesehen!

Die meisten Fehler erfolgen bereits beim Importieren der PDF-Seiten. Man sieht das Problem bereits am Bildschirm. Aber nicht bei allen Seiten sind die Fehler so deutlich sichtbar, wie bei den Testelementen der Ghent PDF Output Suite. Beim Erstellen der Testelemente betreiben wir nämlich sehr viel Aufwand, um die Abweichungen möglichst deutlich zu visualisieren.

Diese Fehler sind sehr problematisch für alle, die bestehende PDF-Seiten in einem Layout platzieren müssen. Dies ist z.B. bei einem Anzeigenumbruch notwendig. Da besteht eine grosse Gefahr, dass die Anzeigen auf der Zeitschrifen- oder Zeitungsseite nicht mehr gleich aussehen, wie in der angelieferten PDF-Anzeige.

Beim Platzieren von PDF/X-Dateien in Affinity Publisher ist grösste Vorsicht geboten!!!


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13 Gedanken zu “Katastrophale PDF/X-4-Kompatibilität <br>von neuem Affinity Publisher”

  1. Vielen Dank für den ausführlichen Test!

    Während uns die Funktionen durchaus überzeugen, lässt der PDF-Im- und -Export noch skeptisch zurück, sodass wir noch keine Projekte damit umgesetzt haben.

    Ein, im Vergleich zu Ihrem Test vermutlich kleineres Problem, hatte ich im Hilfdirselbst-Forum beschrieben: Der Acrobat-Preflight mit einem PDFX-Ready-Profil, bei dem die ICC-Profile nicht erkannt werden können (Details unter: https://www.hilfdirselbst.ch/foren/_P570239.html).

    Ich hoffe, Affinity widmet dem PDF-Thema in zukünftigen Versionen mehr Aufmerksamkeit.

  2. Also diesen Beitrag halte ich für absolut verunglückt. Er mutet mir an, wie dass vielleicht ein Adobe-Höriger nun eine Software hernimmt, die in *aller erster Version* auf den Markt kommt und von der viele, sehr viele hoffen, dass sie uns von der Adobe-Knechtschaft befreie, und diese nun gleich mal durch das Fein-Malwerk dreht. Zum Schluss dann in 72 Punkt vor Fehlern zu warnen, ist für mich unseriös und knabbert an meinem Bild von “PDF aktuell” als verlässlicher Quelle. Da hätte man wohlwollender, anerkennender und motivierender auf Unzulänglichkeiten hinweisen können.

    Erinnern wir und an die Zeit von InDesign 1! Na? Oh, was für ein “aufgeräumter” Bildschirm blickte mir da entgegen, und schneckenhafte Performance verunmöglichte professionellen Einsatz. Der arrogante Riese kratzte sich damals auch am Po, und ärgerte sich über die Mücke, die ihn zu piesacken anfing.

    Ich meinerseits wünsche dem Team von Affinity beigott alles, alles Gute, viel Erfolg – und werde heilfroh sein, wenn ich (vorerst) aus Abo-Modellen und Abhängigkeit raus kommen kann.

  3. Ich hoffe, dass diese Ergebnisse an Serif gemeldet werden, damit sie sie beheben können (wenn nicht schon auf der Roadmap).

  4. Ich habe bereits vor zwei Jahren im Namen der Ghent Workgroup (GWG) die Ergebnisse meines ersten Tests mit dem Affinity Designer an Serif gesandt. Leider ohne Reaktion der Engländer…

  5. Auch ich halte den alarmistischen Ton für verfehlt (auch wenn ich Ihre Arbeit ansonsten sehr schätze). Die Adobe CS hat sich in den letzten Jahren nur verschlimmbessert, läuft immer instabiler und man soll zahlen, zahlen, zahlen. Affinity Designer hat Illustrator mittlerweile bei mir abgelöst, da in vielen Belangen besser, und der Publisher ist trotz einiger weniger Fragwürdigkeiten dabei, InDesign umuschmeißen. Auch von meiner Seite die besten Wünsche an Serif/Affinity; möge Adobe an seiner Gier und seinem Wasserkopf ersticken.

  6. Man müsste Affinity verbieten, mit PDF export zu werben. Wenns am Bildschirm geil aussieht, heißts noch lange nicht, daß es im Drucksaal funktioniert!

  7. Ich habe Affinity Publisher gekauft, um Serif tatkräftig zu unterstützen. Jeder ernsthafte Mitbewerber von Adobe ist mir recht und wertvoll. Ich habe auch nicht erwartet, dass die erste öffentliche Version fehlerfrei sein würde, finde derzeit aber leider mehr Fehler als mir lieb sind. Produktionsreif ist Affinity Publisher noch lange nicht. Da wird es noch einige Versionesupdates brauchen…

    Ich halte diesen Bericht keinesfalls für “absolut verunglückt”. Affinity Publisher wird verkauft. Es gibt derzeit keine Importfunktionen – das ist schlimm genug). Wenn nun auch das laut (von manchen als Alternative) angepriesene Platzieren von PDFs auch nicht brauchbar funktioniert, wird es eng für produktives Arbeiten. Also ist solche Kritik wichtig, nur Streicheln wird uns nicht weiterbringen. Und die Platzierung von PDFs ist derzeit weit weg von produktionstauglich.

    Zum diesbezüglichen Vergleich mit InDesign möchte ich anmerken, dass auch Adobe damals (zu Recht) massiver Kritik ausgesetzt war. Das muss Serif auch aushalten (und wird es auch).

  8. Druckprodukt von Affinity Publisher kommt hervorragend von meiner Druckerei.
    Das Druckdokument hätte Indesign nicht besser ausgegeben.

  9. Auch ich hänge in der Abofalle von Adobe. Als pensionierter Polygraf verwende ich InDesign immer noch für private Fotoalben und wäre froh wenn endlich eine Alternative für InDesign auf den Markt kommt. Aus diesem Grund habe ich Affinity Publisher bereits gekauft. Die erste Erfahrung ist ernüchternd. Beim Export in ein PDF werden lizensierte Schriften nicht eingebettet! Von Serif bekomme ich den Tipp, beim Export die Schriften in Zeichenwege umzuwandeln. Das funktioniert, nur habe ich dabei den Eindruck, dass die vektorisierten Schriften etwas fetter auf dem Bildschirm erscheinen! Was aber gar nicht geht: Ich kann Probeausdrucke auch nicht auf dem Printer machen. Lizensierte Schriften gehen nicht, zum Beispiel ITC Bauhaus und ITC Serif Gothic! Soll ich jetzt für jeden Probeausdruck ein vektorisiertes PDF herstellen? Geht gar nicht und ist absolut praxisfremd! Das alles kann InDesign wie wir wissen problemlos. Da muss Serif unbedingt nachbessern! Von Serif bekomme ich den Hinweis, dass an einem PlugIn für den Import von InDesign-Dokumenten gearbeitet wird. Das wäre der Hammer. Lassen wir uns überraschen, was zukünftige Updates für Affinity Publisher bringen.

  10. Hmmm, arbeite mit Affinity Publisher 1.7.2 und habe gerade einen Test mit der Linotype Univers und der LucasFont Taz gemacht – beide ohne Probleme beim erstellten PDF (ohne Vektorisierung der Fonts). Auch der Ausdruck auf einem Tintelstrahler hier im Büro lief ohne Probleme.

    Gleiches gilt für zwei Publikationen (ca. 60 Seiten), die ich probehalber mit Affinity gesetzt habe. Weder hat der Adobe Acrobat beim Preflight (auf PDF/X4 getestet) gemeckert noch sich der Drucker über die Druckdatei beschwert. Tatsächlich ist das Druckergebnis erstklassig und steht der mit InDesign erstellten Vorjahresausgabe der Publikation in nichts nach.

  11. Ich bezog mich auf den Post von Laruwi (und auf den generell vermittelten Eindruck, Affinity Publisher wäre ein grottenschlechtes Programm).

  12. > auf den generell vermittelten Eindruck, Affinity Publisher wäre ein grottenschlechtes Programm

    Das kann ich nicht beurteilen, da ich (als PDF-Speziallist) nur die PDF-Import und -Export-Funktionen getestet habe.

    Da besteht beim Affinity Publisher (und übrigens auch dem Affinity Designer) definitiv noch Handlungsbedarf!!!

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